04.05.2014 // Jochen Malmsheimer

Mitreißend komisch

Jochen MalmsheimerDas erste Soloprogramm von Jochen Malmsheimer „Wenn Worte reden könnten oder 14 Tage im Leben einer Stunde“, aus dem Jahr 2000 hat endlich den Weg nach Bad Salzuflen gefunden.

Mögen weitere folgen. Malmsheimer ist bekannt als Hausmeister aus „Neues aus der Anstalt“; während „Anstaltsleiter“ Urban Priol, der kürzlich die Konzerthalle füllte, politisches Kabarett macht, vergreift sich Malmsheimer am ganz normalen Wahnsinn des Alltags und des Elterndaseins.

So erfuhren die begeisterten Zuschauer, dass Sport nur die halbe Wahrheit ist, die andere Hälfte ist der Showroom des Sanitätsfachgeschäfts. Auch die Lebenserfahrung von Oma wurde wieder lebendig: „Früher war alles viel besser obwohl es nichts gab.“ Bekannte Werbesendungen zogen am inneren Auge vorbei, mit dabei waren Tante Tilly und Clementine. Wer jemals versucht hat, eine Prilblume von Fliesen zu lösen, weiß, dass sie stärker sind als jede Abrissbirne. Aber immerhin kennen wir „Alten“ noch Läden, in denen man einkaufen konnte, bevor jede Fußgängerzone als Konsumwüste gleichgeschaltet wurde. Unsere Partys waren Feten und ein enger Häkelpulli war noch zu weit. Auf jeden Fall fanden Feten auf Matratzen statt, deren krabbelnde Bewohner auch die Flucht aus Krakau überlebt hatten, während wir mit dem Grundig-Kassettenrecorder selbstaufgenommene Songs hörten, die von Verkehrshinweisen wie „Auf der A43 schneit es in beiden Richtungen“ nur so wimmelten. Es gab literweise Lambrusco und Nudelsalat, der nach dem Genuss wieder die Freiheit suchte. Wer fernsehen wollte, musste die Antenne selber halten – wegen dieser Aufgabe wurden allerdings damals Senioren zuhause gepflegt. Auch das Kur- und Stadttheater blieb von Kritik nicht verschont: „Sanitäre Einrichtungen aus der Zeit als Luther noch „Süßes oder Saures?“ an die Kirchentür schrieb. Die Vorstellung endete mit dem bekannten irischen Segenswunsch in abgewandelter Form: „Möge der Wind in deinem Rücken nicht dein eigener sein“. Solches wünscht den geneigten Lesern natürlich auch die Salzstreuner-Redaktion.

Kommentar verfassen