04.04.2015 // Meine Schwester und ich

Salzstreuner

Foto: ta

Musikalisches Lustspiel, musikalische Komödie, Singspiel: Die Bühnenwerke, die mit ihrer Bezeichnung so altbacken daherkommen und alle irgendwie in den großen Eintopf der Operette geworfen werden, würden sicher auch heute noch beim jüngeren Publikum landen können, wenn man sie einfach als Musical ankündigen würde.

Das Landestheater Detmold jedenfalls beweist immer wieder, welch unterhaltsames Potenzial die Stücke von Ralph Benatzky oder Johann Strauss besitzen, wenn man etwas an der Temposchraube dreht und wohldosiert solche Pointen fallen lässt, die nur auf der Bühne funktionieren.
Auch mit der Inszenierung von Guta G. N. Rau blieb die in Bad Salzuflen gastierende Bühne diesen Beweis alles andere als schuldig. Liebevolle Kulissen, noch liebevoller gezeichnete Figuren und kleine aber feine (Running) Gags ließen die typisch flache und schon tausendmal erzählte Story von Liebe und Missverständnissen zur nebensächlichen Beigabe eines fröhlichen und unterhaltsamen Theaterabends werden.

In der für Gastspiele des Landestheaters wohl etwas gekürzten Variante des Stücks begeisterte das gesamte Ensemble mit Tanz, Gesang und dezent-komödiantischem Spiel – vom Letzteren gerade so viel, dass nicht die Fans des klassischen, musikalischen Lustspiels vergrätzt wurden.

Besonders Markus Gruber als Graf Lacy de Nagyfaludi und Michael Klein als Schuhhausbesitzer Filosel brillierten mit wunderbaren Persiflagen ihrer Figuren. Für das typische Herz-Schmerz-Gefühl und das obligatorische Happy End sorgte das Traumpaar des Abends, das erst auf Umwegen zueinander fand und von Anna Werle und Andreas Jören dargestellt wurde. Das Kennenlernen der beiden Schwestern hat sich allemal gelohnt – auch für das Publikum. ta

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