Buch-Tipp: Die ganze Geschichte

Wer erinnert sich noch an Yanis Varoufakis – den motorradfahrenden Mister Stinkefinger, den Lügen-Griechen, den Problem-Minister (alles Vokabeln der BILD-Zeitung)?

Tatsächlich sind den Menschen vor allem die Äußerlichkeiten und Gesten des ehemaligen griechischen Finanzministers im Kopf geblieben. Richtig zugehört hat dem Wirtschaftswissenschaftler, der als parteiloses Mitglied dem SYRIZA-Kabinett von Alexis Tsipras angehörte, ohnehin kaum jemand. Mit seinem neuen Buch Die ganze Geschichte verschafft sich Yanis Varoufakis endlich die Luft zum Atmen, die er als gehetzter und unter Druck gesetzter Politiker nie hatte. Ausführlich, teils humorig und messerscharf geht er mit allen hart ins Gericht, die Griechenland bei der sogenannten Griechenland-Rettung für das bezahlen lassen, was vor allem europäische Politiker und Banken zu verantworten haben. Varoufakis erklärt das System des politischen Establishments, das nach seiner Auffassung undurchsichtig wie eine Blackbox arbeitet und einflussreiche Insider von ausgebooteten Outsidern unterscheidet – auf jeder Hierarchieebene.

Wer wissen möchte, wie kompliziert und manchmal doch offensichtlich in der Politik getrickst geheuchelt und gehandelt wird, der findet in dem Varoufakis-Buch vielleicht nicht die ganze Geschichte, aber doch viele angsteinflößende Episoden. Schlechte-Nacht-Lektüre.

Buchcover: Die ganze Geschichte von Yanis VaroufakisDie ganze Geschichte
Yanis Varoufakis
Sachbuch
664 Seiten
Verlag Antje Kunstmann
30,00 €

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