Foto Nadine Richter
Hat ihre Leidenschaft schon recht früh gefunden: Nadine Richter ist selbstständige Ergotherapeutin. // Foto: mr

Obwohl Nadine Richter erst 32 Jahre alt ist, kann sie bereits auf elf erfolgreiche Jahre als selbstständige Ergotherapeutin zurückblicken. Die Gesundheitsvilla in Schötmars Uferstraße hat Nadine acht Jahre lang gemeinsam mit ihrem Vater Klaus Höker geführt. Seit Beginn dieses Jahres ist die junge Mutter allein für das Gesundheitsangebot des Hauses verantwortlich. Wie es nun läuft, das haben wir in einem Interview mit Nadine erfahren.

Hallo Nadine, du betreibst drei Praxen: Kann man sagen, dass du deine Leidenschaft gefunden hast?
Das kann man absolut so sagen! Und diese Leidenschaft habe ich im Grunde auch schon recht früh gefunden. Mit elf Jahren habe ich als Übungshelferin schon erste Sportgruppen geleitet. Später kamen dann Fortbildungen und meine Ausbildung hinzu. Seit 2009 bin ich offiziell Ergotherapeutin.

Und dann kam die erste Praxis?
Genau. Meine erste Praxis habe ich 2010 in Gütersloh gegründet – da war ich 21 Jahre alt. Die Praxis in Bad Salzuflen habe ich dann 2012 gemeinsam mit meinem Vater Klaus Höker eröffnet, der sie bis Anfang dieses Jahres mit mir leitete. Auch meine Mutter Sieglinde Höker ist seit nunmehr acht Jahren mit dabei. In der Praxis in Bad Salzuflen bieten wir heute ergotherapeutische Maßnahmen an. 2016 folgte eine dritte Praxis in Bielefeld. Zudem arbeiten wir in einer Stroke Unit, also einer Intensivstation für Schlaganfallpatienten.

Nadine führt eine Breuss-Massage durch
Nadine führt eine Breuss-Massage durch (2009)

Was sind die klassischen Leiden, mit denen Menschen zu dir kommen?
Besonders häufig haben wir Patienten mit Demenz, Depressionen, Schlaganfällen, Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und Menschen mit Handverletzungen bei uns in den drei Praxen. Wir machen auch Hausbesuche und passen uns den verschiedenen Lebenssituationen unserer Patienten an: So bieten wir auch, sobald Corona es zulässt, wieder Gruppenangebote in Alten- und Pflegeheimen an.

Gibt es so etwas wie typische Krankheiten des 21. Jahrhunderts?
Ja, die gibt es tatsächlich. Ganz typisch sind dafür Rückenleiden, das Karpaltunnel-Syndrom sowie Depressionen und Burn-out.

Was sind die Ursachen?
Ein Grund ist sicherlich, dass sich die Menschen zu wenig bewegen. Hinzu kommt, dass nicht genug Wert auf eine gesunde Ernährung gelegt und der Alltag stressiger wird. Auch die Isolation während der Lockdowns und der Homeoffice-Phasen wirkt sich oft belastend aus.

Gesundheitliche Probleme sind also häufig vielschichtig. Wie kommst du den Leiden auf die Spur?
Unser Team macht regelmäßig Fortbildungen, damit alle immer auf dem neuesten Stand sind. Zudem stimmt bei uns die Mischung mit Therapeuten aus vielen Fachbereichen, denn so ergänzen wir uns perfekt. Auch der fachliche Austausch mit Praxen aus der Nähe ist uns wichtig. Gut vernetzt zu sein, kommt nämlich nicht nur uns, sondern vor allem unseren Patienten zugute.

Portrait von Nadie
Der Start in der Gesundheitsvilla (2012)

Hat Corona den Arbeitsalltag in deinen Praxen verändert?
Ja, enorm. Zu Beginn der Pandemie waren wir in Kurzarbeit. Später haben wir dann Videotherapien angeboten. Mittlerweile haben wir unseren Alltag schon fast wieder zurück. Aber eben nur fast. Unsere Gruppenangebote sind erst einmal nicht möglich. Und natürlich trifft uns Corona letztlich auch finanziell. Hinzu kommt, dass wir häufig besonders vorsichtig und sorgsam arbeiten müssen: Viele unserer Patienten gehören schließlich einer Risikogruppe an.

Wie schützt du dein Team und deine Patienten?
Wir haben ein Hygienekonzept erstellt. Es beinhaltet die regelmäßige Durchführung von Corona-Schnelltests und den Verzicht unseres Wartezimmers. Außerdem halten wir uns an die gängigen Abstandsregeln, desinfizieren die benutzten Medien, tragen FFP2-Masken und bieten weiterhin Therapien per Video an. Das alles fordert uns enorm heraus. Doch gleichzeitig hat es das Gemeinschaftsgefühl im Team noch größer werden lassen. Alle ziehen an einem Strang. Das ist besonders deshalb wichtig, weil wir gleich drei Praxen unter einen Hut bekommen müssen.

Therapieknete
Stärkung der Hände: Training mit Therapieknete

Auf was in der Nach-Corona-Zeit freust du dich am meisten?
Sobald es wieder möglich ist, werden wir wieder Präventive Wirbelsäulengymnastik sowie alle anderen Gruppenangebote anbieten können. Auch das Marburger Konzentrationstraining für Kinder wird dann wieder starten. Ich persönlich freue mich einfach, wenn wieder der normale Alltag eintritt: Freunde treffen, das Tanzbein schwingen und wieder in den Zoo gehen. Außerdem freut sich meine Tochter schon auf den Schwimmunterricht und auf die Kindergeburtstage mit der ganzen Familie.

Und wie verbringst du deine Freizeit jetzt am liebsten?
Ich male und bin viel in der Natur: Entweder unterwegs mit meiner Tochter oder zu Hause im Garten. Auch an handwerklichen Arbeiten habe ich Freude. Glücklicherweise ist das noch immer möglich.

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