Für MMA-Profi Vitali Ginter geht es in diesem Jahr um die Deutsche Meisterschaft. // Foto: Christopher Berndt
Für MMA-Profi Vitali Ginter geht es in diesem Jahr um die Deutsche Meisterschaft. // Foto: Christopher Berndt

Vitali Ginter kann einstecken – aber genauso gut auch austeilen. Der 29-jährige Werkzeugmechaniker ist professioneller MMA-Kämpfer. MMA steht für Mixed Martial Arts. Eine Sportart, bei der verschiedene Kampfkünste wie Boxen, Kickboxen und Karate miteinander kombiniert werden. Im Mai dieses Jahres beginnt für Vitali die Deutsche Meisterschaft. Mit dem Ziel, den Titel nach Bad Salzuflen zu holen und bald auch internationale Kämpfe zu bestreiten, trainiert der Kampfsportler täglich im Schötmaraner SaiyaGym, das er mitbegründet hat. Auf seinem Weg nimmt er nicht nur den einen oder anderen Knochenbruch in Kauf, er kämpft auch gegen den negativen Ruf seiner Sportart an.

Ein letzter Check vor dem Gang in den Käfig.
Ein letzter Check vor dem Gang in den Käfig. // Foto: Gastro Fight Night

Hallo Vitali, wie beschreibst du jemandem MMA, der noch nie davon gehört hat?
MMA ist eine Kombination verschiedener Kampfsportarten. Durch diese Kombination kann jeder Kämpfer seinen eigenen Stil entwickeln und seine Stärken ausspielen. Das macht die meisten Kämpfe sehr spannend. Im Gegensatz zu anderen Sportarten wird ein MMA-Kampf in einer Art Käfig ausgetragen und nicht nur im Stand geführt. Auch am Boden wird weiter geboxt und auch getreten.

Das hört sich ziemlich brutal an. Bleibt da noch Platz für Respekt und Sportsgeist?
MMA ist wohl tatsächlich die härteste Kampfsportart überhaupt. Aber das heißt nicht, dass man sich nicht mit viel gesundem Sportsgeist begegnen würde. Gerade weil es so hart zugeht, behandelt man sich vor, während und nach dem Kampf mit viel Respekt. Wenn ich beispielsweise einen Kampf gewinne, versichere ich mich zunächst, dass mein Gegner in Ordnung ist und medizinisch versorgt wird. Erst wenn alles in Ordnung ist, kann ich mich über meinen Sieg freuen.

Mittlerweile betreibst du den Sport professionell. Wie hat alles angefangen?
Ich betreibe MMA seit 2012. Davor habe ich einige Monate beim Wushu & Kampfkunst Club Lippe e. V. unter Sergej Merten die chinesische Kampftechnik Sanda trainiert. Sechs Jahre später habe ich mein MMA-Profidebüt gegeben.

Wie sieht dein Alltag als Mixed-Martial-Arts-Profi aus?
Ziemlich vollgepackt. Ich arbeite ganz normal als Werkzeugmechaniker. Früh morgens und abends nach der Schicht gehe ich dann ins Gym und trainiere. Meine Ernährung passe ich immer an den jeweiligen Tag und an die Umstände an. Disziplin im Alltag ist also bei mir das A und O.

Voller Fokus aufs Ziel.
Voller Fokus aufs Ziel. // Foto: Christopher Berndt

Wer Kampfsport betreibt, lebt gefährlich. Hast du keine Angst, dich schwer zu verletzen?
Respekt ist angebracht, Angst nicht. Und mittlerweile kann ich gefährliche Situationen auch gut einschätzen. Ich weiß, wie ich mich zu verhalten habe. Trotzdem gehören Verletzungen natürlich dazu. Ich habe mir schon zwei Mal die Nase gebrochen und auch einige andere Knochenfrakturen zugezogen. Aber nein: Angst darf man in dem Sport einfach nicht haben.

Gilt das auch für deine Familie? Macht sich niemand Sorgen um dich?
Tatsächlich wollen meine Eltern nicht, dass ich Kämpfe bestreite. Vor jedem Kampf haben wir wieder eine Diskussion. Aber auch diese verbalen Kämpfe gewinne ich normalerweise (lacht).

Wie groß ist das öffentliche Interesse bei MMA-Profikämpfen?
Also bei meinem Profidebüt in Hannover waren über 3.000 Zuschauer dabei. Generell kann man sagen, dass das Interesse an dem Sport in Deutschland immer größer wird, auch wenn ihm immer noch ein recht negatives Image anhaftet. Im deutschen Free-TV dürfen die Kämpfe zum Beispiel noch nicht übertragen werden. In den USA ist das ganz anders. Da ist MMA ziemlich populär. Die Einschaltquoten sind hoch und auch die Zuschauerzahlen in den Hallen sind um ein Vielfaches höher als in Deutschland.

Wo befindet sich das MMA-Zentrum in Bad Salzuflen?
Unser Gym, das SaiyaGym, befindet sich in der Lehmkuhlstraße in Schötmar. Hier haben wir einen Kampfring, Boxsäcke und alles Weitere, was für ein gutes Training notwendig ist.

Trainiert wird im Saiyagym in Schötmar.
Trainiert wird im Saiyagym in Schötmar. // Foto: Christopher Berndt

Ist euer Gym nur für Profis wie dich gedacht?
Nein. Vor allem betrachten wir unser Gym als Kampfsportschule. Wir bieten also Unterricht in verschiedenen MMA-Disziplinen an. Wenn nicht gerade Corona ist, kann jeder gerne vorbeikommen, mitmachen und alles ausprobieren. Anmelden muss man sich nicht und jeder ist willkommen.

Wie durchlebst du als Sportler die Corona-Zeit?
Wie für alle anderen, so ist die aktuelle Situation natürlich auch für mich nicht ganz einfach. Allerdings denke ich, dass ich sogar noch Glück habe. Ich kann allein im Gym trainieren, mich fit halten und mich auf die Deutsche Meisterschaft vorbereiten.

Wie schätzt du deine Chancen beim Turnier ein?
Natürlich will ich bis zum Ende der Meisterschaft im Dezember möglichst viele Kämpfe gewinnen und danach auch international angreifen. Aber es geht ebenso darum, mein Gym und auch meine Heimatstadt Bad Salzuflen gut zu vertreten. Mal sehen, wohin die Reise geht!

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Kommentare

Zur Streusalz-Kolumne „Coromania“:
. . . und seit Jahren gibt es mitten im Weserstädtchen Vlotho eine italienische Eisdiele namens „CORONA“ – „Brutstätte“ für die besten Eisspezialitäten weit und breit. Da kann man sich schon seit Jahren „köstlich“ impfen lassen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.