Stadtgeschichte
Kriegsfeinde: Carl Aemil Ulrich von Donop mit Schötmar im Hintergrund. Und George Washington bei der Überquerung des Delaware Rivers. // Bilder: Johann Heinrich Tischbein (links), Emanuel Leutze (rechts)

Das Kleine-Welt-Phänomen von Stanley Milgram besagt in etwa, dass jeder Mensch einen x-beliebigen anderen Menschen an einem x-beliebigen Ort auf der Welt über sechs Ecken kennt. Vom Erbauer des Schlosses in Schötmar bis zu einem gefürchteten Kommandeur des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs lässt sich die Verbindung sogar noch kürzer herstellen …

In den 1650er- und 1660er-Jahren kaufte sich Simon Moritz von Donop nach und nach Häuser und Grundstücke in Schötmar. Sein neu gegründetes Gut Schötmar wurde sogar zum Rittergut. Enkel August Moritz Abel Plato Freiherr von Donop erbte dieses Anwesen und ließ im Jahr 1729 darauf ein feudales Herrenhaus erbauen: das heutige Schloss Stietencron. Wurzeln schlug er hier jedoch nicht. Seine äußerst erfolgreiche politische und militärische Karriere führte ihn als Junker an den dänischen Hof zu Kopenhagen, zum schwedischen Königshaus, als Generalmajor und Minister nach London und als Generalleutnant nach Paris. Zum Ende seiner Karriere war er gar Kommandeur des schwedischen Seraphinenordens. Im Jahr 1762 starb er in Rinteln bei seinem Bruder Simon Christian von Donop, dem er das Nutzungsrecht des mittlerweile stark verschuldeten Schötmaraner Ritterguts übertrug.

Nur fünf Jahre später verschlechterte sich auch Simon Christians gesundheitlicher Zustand. Er verkaufte das Rittergut an seinen Neffen Carl Aemil Ulrich von Donop, den es jedoch schon einige Jahre später weit weg bis auf die Schlachtfelder des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs zog. Als Oberst und Kommandeur eines vom hessischen Landgrafen Friedrich II. an Großbritannien verliehenen Grenadier-Regiments kämpfte er im amerikanischen Osten gegen die von George Washington angeführte Kontinentalarmee. 

Mit einem deutlich zu großen Selbstbewusstsein und viel zu viel Arroganz versprach er sich von seinem Einsatz einen Karrieresprung. Nach der Verhinderung der Revolution wollte er gar in Amerika bleiben, um den Kontinent weiter zu erobern.

Carl Aemil von Donop galt als erbarmungsloser Anführer, der seinen Soldaten befahl, keine amerikanischen Gefangenen zu machen. Sollten sie es doch tun, drohte er ihnen mit drakonischen Prügelstrafen. Die letztlich doch erfolgreiche Amerikanische Revolution konnte er aber auch mit seinen brutalen Vorgehensweisen nicht verhindern: Der Kommandeur starb noch vor Ende des Kriegs im Jahr 1777 unweit des Delaware Rivers am gegenüberliegenden  Ufer der Stadt Philadelphia. 

In Schötmar geriet das Rittergut indes kurze Zeit später und nach vielen Jahren aus dem Besitz des Adelsgeschlechts Donop. 1831 erwarb es schließlich die Familie Stietencron. Erbherr Johann von Stietencron pflegte übrigens eine gute Freundschaft mit Otto von Bismarck. Man kannte sich eben in dieser kleinen Welt …

Quellen:
Fischer, David Hackett (2004): Washington‘s Crossing. Oxford University Press: New York 2004, Seiten 56, 57. 
Wallbaum, Kurt (1999): Chronik Schötmar. 1231 – 1968. Selbstverlag: Bad Salzuflen, Seiten 25, 27, 28, 29, 37.

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