Stadtgeschichte Bad Salzuflen
Türme, Mauern und Fassaden. Jedes Bauwerk in Bad Salzuflen erzählt seine eigene Geschichte. // Fotos: Rüdiger Hose

In Bad Salzuflen gibt es Spuren der Vergangenheit, die einem sofort ins Auge springen. Es gibt aber auch Überbleibsel der Historie, auf die man etwas genauer schauen muss, um ihre Entstehung und ihre einstige Bedeutung erklären zu können. Die neue Salzstreuner-Serie Auf den zweiten Blick untersucht unscheinbare Stadtbild-Relikte, die mit etwas mehr Aufmerksamkeit Skurriles, Verborgenes, Rätselhaftes, Geheimnisvolles oder auch Erheiterndes offenbaren.

Der Katzenturm in Bad Salzuflen (1. Bild) gehört zu den vielen Wahrzeichen der Stadt. Bis heute ist er an seinem ursprünglichen Platz erhalten geblieben, wo er sich in die Reste der mittelalterlichen Stadtmauer einfügt. Nach seiner Erbauung im 15. Jahrhundert war der Katzenturm ein wichtiger Bestandteil des städtischen Frühwarnsystems gegen potenzielle Angreifer.

Betrachtet man den massiven Steinbau mit seinem Kegeldach, so erkennt man zahlreiche Schießscharten. Durch diese Öffnungen konnten die Verteidiger der Stadt auf potenzielle Feinde außerhalb der Stadt schießen, ohne aus der Deckung gehen zu müssen. Einige Scharten sind allerdings in das Stadtinnere gerichtet. Ob sie gezielt so platziert wurden oder ob es sich hierbei um bauliche Fehler handelt, bleibt offen …

Apropos Schießscharten: Auch in der Stadtmauer wurden die kleinen Öffnungen eingebracht. Im kurzen Abschnitt zwischen der Straße Hinterm Bogen und der Otto-Künne-Promenade kann man sie noch heute sehen (2. Bild). Und auch hier werfen sie zunächst Fragen auf. Denn ihre Platzierung auf Bauchhöhe ist für einen durchschnittlich großen, schussbereiten erwachsenen Menschen eher ungünstig.

Anders als bei den Schießscharten des Katzenturms lässt sich hierfür jedoch recht schnell und einfach eine plausible historische Erklärung herleiten: Denn in den vergangenen 500 Jahren ist Bad Salzuflen schätzungsweise um zwei bis drei Meter in die Höhe gewachsen. Die Schießscharten der Mauer waren im Mittelalter also auf einer für den Verteidigungsfall äußerst günstigen Position.

Abseits der mittelalterlichen Befestigungen und Sicherheitseinrichtungen lässt sich beim aufmerksamen Spaziergang durch die historische Innenstadt eine erheiternde Entdeckung machen: Am alten Fachwerkhaus in der Lange Straße 37 befindet sich eine fast vierhundert Jahre alte Aufschrift aus dem Jahr 1623 (3. Bild).

In goldener Schrift steht hier auf Plattdeutsch geschrieben:
„DE NICH KANN SPASS VASTOHN – . – SOLL NICH UNNER DE LUIE GOHN“.

Frei übersetzt: Wer kein Spaß versteht, sollte nicht unter die Leute gehen. Historische Erklärungen bedarf diese Weisheit keine. Damals wie heute spiegelt sie den Wunsch an ein fröhliches Miteinander wider.

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