Buchcover zu Ósmann von Joachim B. Schmidt

Ósmann
Joachim B. Schmidt
288 Seiten
Hardcover: 25,00 €
Roman
Diogenes

Mit dem Roman „Ósmann“ erzählt Joachim B. Schmidt einen historischen Roman, der im Norden Islands um die Jahrhundertwende spielt. Jón Magnússon – genannt Ósmann – ist ein Fährmann, der Reisende, Tiere und Waren über den Skagafjord bringt. Sein Alltag ist hart, aber er erfüllt ihn mit einer Ruhe und Großzügigkeit, die diesem Buch einen besonderen Ton verleiht. Wer Island liebt oder sich für nordische Lebenswelten interessiert, findet hier ein berührendes Porträt aus einer Zeit, in der Naturgewalt, Entbehrung und Gemeinschaft das Leben prägten.

Ósmann ist ein Mann, der beinahe alles mit sich selbst ausmacht. Er erwartet wenig vom Leben, ist aber bereit, viel zu geben. Als Fährmann, Gastgeber, Helfer und Jäger bewegt er sich beständig zwischen Ufer, Dorf und Meer. Seine Stärke zeigt sich nicht in großen Worten, sondern in natürlicher Loyalität und einer Haltung, die ohne Pathos auskommt. Schmerz, Trauer und Verlust trägt er im Stillen, ohne sie anderen zur Last zu machen.

Schmidts Erzählstil ist zurückhaltend, atmosphärisch und sehr nah am Alltag. Wind, Salz, Kälte, Dunkelheit, Gemeinschaft – all das tritt hervor, ohne betont werden zu müssen. Der Roman vermittelt, so weit das ein Roman kann, Nuancen isländischer Kultur: Verbundenheit, Gastfreundschaft, Glaube, Naturbezug – das alles ist bestimmt dort oben so. Kleine Szenen – etwa lustige Wettkämpfe oder spielerische Episoden des Dorflebens – geben dem harten Umfeld Leichtigkeit und zeigen, wie Menschen sich Nähe und Freude bewahrten.

Der Roman verzichtet bewusst auf große dramatische Wandlungen. Ósmann verändert sich nicht radikal, er bleibt er selbst. Das ist sein Kern: Beständigkeit als Charakterstärke, während der Körper unter den Strapazen leidet. Wer psychologische Zergliederung oder spektakuläre Entwicklungen erwartet, wird hier nicht fündig. Stattdessen entsteht ein stimmiges Bild eines Lebens, das durch Tatkraft und innere Ruhe Bedeutung erhält.

Dass Ósmann tatsächlich gelebt hat, verleiht der Geschichte zusätzliches Gewicht. Man liest nicht über einen literarischen Archetypen, sondern über einen Menschen, der Spuren hinterlassen hat – im Gedächtnis seiner Gemeinschaft, als Denkmal und hier in einem Roman, der ihn neu sichtbar macht.

Ósmann“ ist ein stilles, schönes Buch über Menschlichkeit, Gemeinschaft und die nordische Seele. Wer Island liebt, historische Romane sucht oder sich für authentische Figuren interessiert, wird hier fündig. Schmidt zeigt, dass Größe nicht in Meilensteinen, sondern im täglichen Tun. Ein warmes, leises Werk aus der Kälte. Wann geht der nächste Flieger nach Reykjavík?

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