Der Spitzahorn im Winter 1893. // Foto: Stadtarchiv, Sammlung Leuschner

Bäume sprechen stille Bände. Daher muss man genau hinsehen, um ihren Geschichten auf den Grund zu kommen. Denn es gibt Bäume in Bad Salzuflen, die so einiges mitgemacht, reichlich erlebt und viel gesehen haben. Heute sind sie schweigende, aber beeindruckende Zeitzeugen längst vergangener Tage.

Der Schlosspark im Frühling 2021. // Foto: Rainer Tautz

Da gibt es zum Beispiel einen Baum, der steht schon so lange im Herzen von Wülfer-Bexten, dass es unsere Vorstellungskraft herausfordert: Auf etwa 500 Jahre wird das Alter der Tanzlinde geschätzt. Dabei weist sie einen Umfang von fast sieben Metern auf. Ungefähr zu der Zeit, als der heutige Koloss noch ein kleiner Setzling war, war die Welt übrigens noch eine ganz andere. Christoph Kolumbus ist auf Amerika gestoßen, William Shakespeare entdeckte gerade das Schreiben für sich und die Menschen begriffen so langsam, dass die Erde tatsächlich keine Scheibe ist. Bexten selbst war damals noch der Sitz des Amtsmeiers. Schon im Jahr 1786 war die Linde bereits so imposant, dass sie einen Platz auf der Karte des Hofs bekam. Die besondere Form des Baums ist übrigens kein Zufall, genauso wenig wie der Name: Der Astwuchs der jungen Linde wurde damals durch ein Gerüst zunächst in die Breite geleitet. Als sie dann breit genug war, durfte sie wieder nach oben wachsen. Auf den horizontal verlaufenden Ästen haben damals Musiker mit Brummbass und Klarinette gesessen, während die Dorfbewohner darunter getanzt haben.

Zwar mit weniger Musik und Tanz, aber immer noch prachtvoll führt die Tanzlinde ihre Geschichte heute fort. Die eines anderen markanten Baums der Stadt ist hingegen seit einigen Jahren zu Ende: Der Spitzahorn, der sich fast 200 Jahre lang neben einem kleinen Hügel vor dem Schloss Stietencron befand, brach im Mai 2016 auseinander. Von Pilzen ohnehin schon stark geschwächt, hielt er einem Unwetter nicht mehr stand. Bis dahin galt das Naturdenkmal als einer der dicksten Spitzahorne in ganz Europa. Heute ist nur noch ein etwa zwei Meter hoher Stumpf übrig.

Nur wenige Meter entfernt hat übrigens erst kürzlich ein neuer Baum seine Geschichte begonnen, der hier zum hundertsten Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte an Schötmar gepflanzt wurde. Eine junge amerikanische Roteiche soll im Schlosspark wachsen und 200 Jahre oder älter werden.

Apropos wachsen: Drei Bäume, die im Laufe der letzten 120 Jahre besonders schön emporgewachsen sind, finden sich in der Hermannstraße. Vor dem Gebäude der VHS werfen sie jedes Jahr im Herbst ihre Kastanien ab. Auf alten Fotos des Gebäudes sind die kleinen Setzlinge nur im Ansatz zu erkennen. Nicht zu verwechseln sind sie auf diesen Fotos mit den Bäumen, die vor der Mauer stehen. Diese wurden im Laufe der Zeit entfernt. Stattdessen durften die Kastanienbäume das Treiben um die heutige VHS und das damalige Jungengymnasium von klein auf begleiten.

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