Haus Giesenbier, gegenüber des historischen Rathauses
Reise in die Geschichte: Mit der Bibel ins 16. Jahrhundert, mit Rudolph Brandes in das 19. Jahrhundert. // Foto: Christopher Berndt

Wer etwas in Stein meißelt, möchte seine Botschaft möglichst lange erhalten. Wenn es solide gemacht ist, können sogar noch viele nachfolgende Generationen diese Arbeiten bestaunen. Auch in Bad Salzuflen zeugen viele steinerne Verewigungen von längst vergangenen Zeiten. Einige von ihnen sieht man erst auf den zweiten Blick und andere faszinieren überhaupt erst durch ihre Geschichten.

Bis heute kann man nur spekulieren, was wirklich hinter dem großen, massiven Granit-Findling steckt, der wohl Ende des 19. Jahrhunderts in Wüsten entdeckt wurde. Mit seinen fast zwei Metern Durchmesser, der glatt geschliffenen Oberfläche und seiner verdächtig runden Form gibt er Anlass zu glauben, dass er vor langer Zeit sogar als Opferstätte gedient haben könnte. Diese faszinierende Theorie ist zwar bis heute nicht wissenschaftlich nachgewiesen worden. Doch immerhin hat sie dafür gesorgt, dass jemand das Wort „Opferstein“ in den Findling einmeißeln ließ.

Ortswechsel: Schräg gegenüber des Historischen Rathauses befindet sich das Gebäude, das im Jahr 1533 vom damaligen Bürgermeister Jobst Gießenbier und seiner Frau Margret Schütte gebaut wurde. Wer sich die Fassade des Hauses Am Markt 32 genau ansieht, entdeckt über der Eingangstür ein bunt gestaltetes Relief. Es zeigt die biblische Geschichte der ersten Menschen: die Erschaffung von Adam und Eva, ihre Begegnung mit dem Baum der Erkenntnis sowie ihre Vertreibung aus dem Paradies. Zwischen den Szenen sind zudem die Initialen der beiden früheren Inhaber des Haus Gießenbier zu sehen.

Der Name Rudolph Brandes gerät in Bad Salzuflen ganz bestimmt nicht so schnell in Vergessenheit. Eine Schule, eine Straße und natürlich auch eine Apotheke erinnern noch heute an den Sohn der Stadt. Doch um ganz sicherzugehen, wurde dem Salzufler Apotheker und Naturwissenschaftler sechs Jahre nach seinem Tod ein besonderes Denkmal gebaut: der Rudolph-Brandes-Obelisk.

Andenken an Rudolph Brandes
Das Andenken in der Rudolph-Brandes-Allee. // Foto: Christopher Berndt

Mit ehrenden Worten, Musik und vielen Weggefährten wurde der Steinpfeiler im Jahr 1848 feierlich eingeweiht. Anschließend fand im Saal des Rathauses ein gemeinsames Festessen statt, bei dem auch der eine oder andere anerkennende Toast ausgerufen wurde. Politische Gedanken waren bei der Zusammenkunft jedoch streng tabu: Denn die bürgerlich-revolutionären Erhebungen machten sich 1848 selbstverständlich auch in Bad Salzuflen deutlich bemerkbar …

Der Obelisk, der sich heute etwas demütig an der Querverbindung von Rudolph-Brandes-Allee und Riestestraße versteckt, befand sich übrigens nicht immer an diesem Standort: Bis zur Verbreiterung und Erneuerung der Rudolph-Brandes-Allee in den 1970er-Jahren stand das Denkmal auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Im Zuge der Umsetzung wurde wohl auch eine alte Kupferkassette geöffnet, die sich im Denkmal befand. Sie enthielt einige von Rudolph Brandes‘ Schriften.

Quelle: Dresel, Hans Adolf (1849): Rudolph Brandes. Eine Beschreibung des am 18. October 1848 gefeierten Festes der Einweihung des ihm errichteten Denkmals, nebst den bei dieser Gelegenheit gehaltenen Reden,  mitgetheilt von A. Dresel. Detmold: Meyer’sche Hof-Buchhandlung.

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