16.03.2014 // Mindener Stichlinge – Unter jedem Dach ein ACH

Mindener Stichlinge„Bammel vor dem erlauchten Kur- und Stadttheater“ hatte Regisseur Birger Hausmann, „schließlich sind wir die Gelbe Schule gewohnt“.

Am Ende des Programms zeigte sich jedoch, dass die „Mindener Stichlinge“ auch mit der ungewohnten Atmosphäre gut zurecht kamen. Das leicht abgewandelte Programm „Unter jedem Dach ein Ach“ mit Kirsten Gerlhof, Frank Oesterwinter, Rolf Berkenbrink, Annika Lindemann und Jana Löschner sowie Pit Witt am Piano begeisterte auch am ungewohnten Ort die Zuschauer.
Quer durch alle Parteien gingen die Seitenhiebe der Künstler – immerhin liegt die Grenze zwischen Leben und Tod bei 4,999 Prozent. Kanzlerin Angela Merkel, alias Kirsten Gerlhof, hielt eine Rede an ihre Untertanen und versprach, Probleme nicht beim Aussitzen zu stören. Über Ursula von der Leyen sagte die vermeintliche Kanzlerin, wer sieben Kindergeburtstage im Jahr überlebe, schaffe auch Afghanistan. Hans-Christian Ströbele darf zurecht beleidigt sein, nicht von NSA abgehört worden zu sein und beantragt dieses. Aktuelle Maßnahmen der Bundesregierung gegen Lauschangriffe ist das Schließen der Türen und Fenster. Zukunftsvisionen: Grüne führen den Vegetarierbereich in Restaurants ein; Energieblockwarte beobachten ihre Nachbarn und Rauchen auf dem Fahrrad in der Einbahnstraße ohne Warnweste wird verboten. Immerhin kann man die AFD (Alternative für Euroblonds) mit Daniela Katzenberger an der Spitze wählen.
Überhaupt ist einiges schiefgegangen als Gott den Menschen schuf, sozusagen nach Diktat verreist. Auch aktuelle Affären, Edathy, Tebartz-van Elst, Hoeneß und der Berliner Flughafen wurden auf das kabarettistische Horn genommen. Richtig böse wurden die Stichlinge aber erst bei den Themen Ukraine („Die EU droht damit Angela Merkel als Verhandlungspartnerin zu schicken“), Flüchtlingspolitik („Die sind ja alle schwarz!“), Arbeiten bis zum 80-jährigen Dienstjubiläum und Kassenpatienten, für die es bei Herzproblemen nur noch einen doppelten Espresso gibt. Da stimmte das Solo von Frank Oesterwinter schon fast wieder versöhnlich, der einen gekonnten Ausraster à la Berufscholeriker Gernot Hassknecht angesichts von Hundehaufen (fünf Pfund ohne Knochen) hinlegte und einen Wesenstest für das obere Ende der Leine forderte. Selbst in Bildung stecke das Wort „Dung“. Fast schade, dass der Salzstreuner da nicht selber drauf gekommen ist!

 

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