Foto Homo faber am 20.10. in Bad Salzuflen
Inszenierung des Stücks Homo faber durch das Altonaer Theater // Foto: ta

Mit einer Geschichte des grandiosen Scheiterns eröffnete das Kulturbüro des Staatsbades die neue Schauspielzeit. Das Altonaer Theater zelebrierte den konsequenten und furiosen Untergang des schaffenden Menschen (lat. Homo faber) Walter Faber. Ein ganzes Leben voller unerschütterlicher Grundsätze und Prinzipien wurde in gut zwei Stunden Spielzeit demontiert, seziert und virtuos gegen die Wand gefahren. Operation gelungen, Patient tot.

Homo faber gilt als eines der bekanntesten Stücke des Schweizer Schriftstellers Max Frisch. Die Verletzlichkeit der menschlichen Identität, die Frisch in mehreren Werken thematisierte, wird in Homo faber auf das Grausamste ans Licht gezerrt. Als Opfer hat sich der Zürcher Schriftsteller bewusst einen kalten Rechner, Ingenieur und Techniker erdichtet. Schließlich ist die Fallhöhe für einen Mann, der sich die Welt selbst erklären kann, auf alles eine Antwort weiß und in seinem Leben auch immer gut ohne Gefühlsduselei zurechtgekommen ist, besonders groß. Gerade diesen Walter Faber streckt nämlich das Schicksal grausam nieder. Und zwar ausgerechnet in dem Moment, in dem er sich auf seine eigenen Gefühle zu einer Frau einlässt – die ist allerdings nicht nur viel jünger als er, sondern auch noch seine Tochter. Zufälle gibt es eben nun einmal doch …

Das Stück Homo faber bietet unendlich viele Diskussions- und Interpretationsansätze. Das Altonaer Theater schaffte in seiner Inszenierung für all das viel Platz, indem es sich mit einer kargen Kulisse begnügte und auf jede Opulenz zugunsten der menschlichen Tragödie des Walter Faber verzichtete.

Phantasievoll und überaus originell war die Aufführung trotz aller Spärlichkeit dennoch. Das grandiose dreiköpfige Ensemble (Stephan Benson, Katharina Abt und Stella Roberts) metamorphosierte übergangslos und geschlechtsübergreifend in nahezu sämtliche Haupt- und Nebenrollen des Werkes. Sogar für das Sounddesign sorgten die Schauspieler mit ihren Stimmen selbst. Das Bühnenbild wurde mit einfach skizzierten Motiven kreiert, die auf Folien kopiert und von den Darstellern auf einen schulunterrichtstauglichen Tageslichtprojektor getauscht wurden. Fast schon eine Spur zu außergewöhnliche Aufführung, um sich auf die Inhalte konzentrieren zu können. Aber eben nur fast … ta

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