Interview mit Antje Schulz
Seit 2014 ist Antje Schulz Inhaberin des Schmuck- und Uhrengeschäfts Brockschmidt in Schötmar. // Foto: Madeline Rasche

Trends kommen und Trends gehen. Brockschmidt bleibt. Seit mehr als 129 Jahren gibt es das Familienunternehmen bereits, seit 1902 ist es in Schötmar ansässig. Antje Schulz führt das beliebte Schmuck- und Uhrengeschäft in der Begastraße mittlerweile in der vierten Generation. Obwohl sich auch in ihrer Branche eine Menge bewegt und sich zudem das geschäftliche Umfeld in Schötmar gewandelt hat, hält die ausgebildete Goldschmiedin an dem fest, wofür der Name Brockschmidt schon immer stand: Gute Qualität zum guten Preis – und zwar ohne übermäßig viel Bling Bling oder unglaublich hippe Influencer. Gegen ein bisschen Disco hat sie hingegen nichts einzuwenden – wenn es denn zum Anlass passt.

Fast 130 Jahre Brockschmidt – wie fühlt sich das an?
Na ja, die ganze Zeit war ich ja nicht dabei. Es fühlt sich heute aber toll an und ich bin dankbar, dass uns so viele Menschen nach wie vor die Treue halten. Ich sehe es auch als ein großes Privileg an, von der Arbeit vorheriger Generationen profitieren zu dürfen.

Neben dem Haus Kleböhmer (Foto von 1900) …
Neben dem Haus Kleböhmer (Foto von 1900) … / Foto: privat

Über die Jahrzehnte haben sich viele Einzelhändler aus dem Kern von Schötmar verabschiedet. Brockschmidt ist geblieben …
Natürlich. Ich bin im Herzen Schötmaranerin und möchte dem Standort treu bleiben. Und das nicht nur, weil unser Geschäftshaus auch unser Eigentum ist. Allerdings hätte ich nichts dagegen, wenn sich die von zahlreichen Leerständen geprägte Lage in Schötmar verbessern würde.

Seit wann bist du im Geschäft in Schötmar?
Seit dem Jahr 2000 bin ich im Geschäft in der Begastraße tätig, seit 2014 als Inhaberin. In meinem Team arbeiten drei weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, einer davon ist mein Bruder. Er ist für den Verkauf und den Service im Uhren-Bereich zuständig. Alle anderen sind im Verkauf tätig und als Allrounder einsetzbar.

Unikat oder Bling Bling: Wie findet man das richtige Schmuckstück?
Das ist bedarfs- und typabhängig. Zum Ausgehen kann es gerne auch mal mehr Disco sein – oder ein größerer plakativer Schmuck. Ein Unikat hat man für sich allein. Meistens sind das Schmuckstücke mit einer ganz individuellen Geschichte.

Was ist zurzeit besonders angesagt bei euren Kundinnen?
Dänisches Design. Hochwertiger, designter Silberschmuck. Eher zierlich, aber ausdrucksstark. Außerdem ist Goldschmuck mit Brillanten beliebt.

Und bei den Männern?
Im Herrenbereich gibt es leider nicht ganz so viel Auswahl. Manchmal sind etwas ausgefallenere Artikel dabei, doch ansonsten ist die Basis eher gleichbleibend.

Und was bleibt da gleich?
Die Verwendung von Herrenschmuck ist eine Typfrage. Mann trägt oder Mann trägt nicht. Bei denen, die sich mit Schmuck befassen, sind aktuell mehrreihige Lederarmbänder und grobe Gliederketten gefragt. Beides gibt es von sportiv bis elegant. Einige bekannte Marken bieten hierzu sehr interessante, modische Artikel.

… entstand das Haus Brockschmidt (Foto v. 1915).
… entstand das Haus Brockschmidt (Foto von 1915). / Foto: privat

Trägst du selbst gern Schmuck?
Ja, sogar sehr gern. Je nach Lust und Laune. Mal klassisch, mal modisch. Eben das, was mich gerade aus unserem Sortiment anspricht.

Wie kann sich ein Mann vorbereiten, wenn er bei euch etwas Schönes und vor allem Richtiges für seine Herzdame kaufen möchte?
Im besten Fall ist die Kundin in unserer Kundendatei erfasst – natürlich unter Einhaltung der Datenschutzrichtlinien. Dann haben der Mann und wir eine super Grundlage, mit der wir arbeiten können. Wichtige Anhaltspunkte gibt uns auch der bereits vorhandene Schmuck, der uns in natura oder auf Fotos gezeigt werden kann. Viele Kundinnen und Kunden kennen wir ohnehin schon über viele Jahre, sodass wir sinnvolle Ergänzungen empfehlen können. Wenn trotz aller Mühen der gewählte Artikel nicht zusagt, tauschen wir ihn auch gern gegen ein anderes Stück um.

Ist Schmuck eine gute Wertanlage?
In klassischen Schmuck aus Echtmaterialien zu investieren, ist nie falsch. Denn der Werterhalt ist hoch und sogar die Nutzbarkeit bleibt über Jahre erhalten. Wir haben regelmäßig alte Schmuckstücke im Geschäft, die wir für unsere Kundinnen und Kunden umarbeiten dürfen. Wird ein Ring beispielsweise zum Kettenanhänger umgearbeitet, so kann auch die Enkelin wieder Gefallen an Omas altem Schmuck finden. Upcycling nennt man das wohl. Sicherlich ist Modeschmuck keine Wertanlage. Aber man kann sich damit immerhin gut fühlen. Für relativ wenig Geld hält man sich modisch up to date. Kommt das Modeschmuckstück dann eben doch aus der Mode, kann es ohne großen Verlust ausgetauscht werden.

Juwelier Brockschmidt im Jahr 2021.
Juwelier Brockschmidt im Jahr 2021. / Foto: Madeline Rasche

Wie setzt du dich gegen den Wettbewerb im Internet durch? Greifst du auch auf Influencer zurück, die ja geradezu prädestiniert für deine Branche zu sein scheinen?
Klar, wir merken auch den Onlinehandel, aber nicht extrem. Die Altersstruktur unseres Publikums ist sehr gemischt und Service sowie persönliche Beratung werden auch immer noch sehr gern in Anspruch genommen. Das bekommt man nicht im Internet. Auf Instagram und Facebook sind wir aber auch vertreten. Influencer beeinflussen mich hingegen nicht. Sie sind auch für meine eigenen Kaufentscheidungen nicht ausschlaggebend.

Wie geht es nach deiner Wahrnehmung mit der Entwicklung von Schötmar voran?
Für mein Gefühl eher schleppend. Wir haben sehr viel Leerstand in Schötmar, eventuell sind auch die Mieten zu hoch. Ich weiß es aber nicht. Momentan tut sich ja immerhin einiges am Kirchplatz. Es wäre aber schön, wenn sich in ganz Schötmar auch etwas bezüglich des sehr hohen Müllaufkommens verändern würde. Es fliegt doch manches die Begastraße und die Krumme Weide rauf und runter. Und auch Parkplätze sind häufig zugemüllt.

Bist du schon geimpft worden? Was ist das Erste, was du nach der zweiten Impfung tun wirst?
Die erste Impfung habe ich gestern bekommen. Etwas Besonderes habe ich mir für die Zeit nach der zweiten Impfung allerdings noch nicht vorgenommen. Das mache ich, wenn es so weit ist. Sicher werde ich aber meine Mutter und den Rest der Familie in Norddeutschland besuchen. Darauf freue ich mich schon.

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