Buch-Tipp: Eine redliche Lüge von Husch Josten

Eine redliche Lüge
Autorin: Husch Josten
240 Seiten
Gebundene Ausgabe
Roman
20,00 €
Berlin Verlag

Alles hat zwei Seiten. Mindestens. In ihrem neuen Buch Eine redliche Lüge jongliert die deutsche Schriftstellerin und Journalistin Husch Josten (In Sachen Joseph) mit den Wahrheiten, die fast jeder Mensch für seine Sicht auf die Welt beansprucht. Manche von ihnen führen gar zu einem besseren Leben. Fallen sie jedoch in sich zusammen, können sie Katastrophen auslösen.

Die Geschichte des Romans spielt in Frankreich, in der Normandie. Elise ist 24 Jahre alt, gerade mit ihrem Studium in Paris fertig geworden und Haushälterin auf Zeit. Für einen Sommer hat die junge Frau aus Deutschland bei den reichen, eloquenten Leclercs angeheuert – einem Paar, das auf seiner burgartigen Domaine Tourgéville ständig illustre Gäste empfängt. Um mit ihnen opulent zu speisen, zu trinken, zu feiern und zu diskutieren.

Elise ist für die Verköstigung der Gäste zuständig. Die Arbeit macht ihr Freude, zumal sie von ihren edelmütigen Arbeitgebern freundschaftlich und respektvoll behandelt wird. Die größte Faszination zieht die junge Frau allerdings aus den leidenschaftlichen Gesprächen, die sich in den erlauchten Kreisen entspinnen. Politik und Gesellschaft, Liebe und Betrug, Kunst und Kultur: Zu jedem Thema haben die Gäste ihre Einstellungen und Sichtweisen. Elise erkennt, dass den meisten Standpunkten eine Entscheidung vorausgeht. Nämlich die, nur jene Aspekte eines Sachverhalts in das eigene Blickfeld zu lassen, die die eigene Position festigen. Die Wahrheit wird indes nur allzu gern ignoriert, bis sie sich irgendwann wie ein „vermummter Attentäter“ heranschleicht. Das Zurechtlegen von Fakten sorgt auf der Domaine für hitzige Debatten. Und schließlich sogar für eine Katastrophe. Was als harmloser Sommerroman beginnt, gewinnt rasant an Fahrt und Tiefe.

Rainer Tautz

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