Stadtgeschichte: Vom Pappels zum schröter’s

Wenn sich Bad Salzufler unterschiedlicher Generationen über ihr Erwachsenwerden in der Kurstadt unterhalten, dann kann es sein, dass alle von einem anderen Lokal schwärmen, obwohl jeder von ihnen ein und dasselbe Haus in der Werler Straße meint.

Die Rede ist von Niekamps Sägewerk in der Werler Straße 102: Gemeinsam mit dem heutigen Inhaber und Verpächter des Hauses, Peter Wolf, haben wir uns auf eine Zeitreise begeben. Diese beginnt mit der ursprünglichen Nutzung des Gebäudes als Sägewerk. Die Energie für die Maschinen bezog man damals direkt aus der Werre, die zu diesem Zweck nahe der Brücke angestaut wurde; Reste des Wehrs sind heute noch zu sehen. Bis weit über die Mitte des vorigen Jahrhunderts, wurde das Gebäude als Sägewerk und Kneipe genutzt. Die Neuzeit des im wahrsten Wortsinn gastronomischen Urgesteins beginnt vor fast 30 Jahren. Als „Niekamps Destille“ wurde es 1984 wiederbelebt; es wirkte dabei allerdings längst nicht so idyllisch wie heute. Einen Biergarten gab es nicht, wilde Pflanzen wucherten zwischen Kneipe und Werre. Und die heutige Scheune war bis unters Dach mit „allerlei Zeugs“ (O-Ton Wolf) zugestellt.

1985 erfolgte ein Pächterund Namenswechsel: Aus „Niekamps Destille“ wurde das „Zambo“ und hinter dem Haus der erste Versuch eines Biergartens umgesetzt. Zwei Jahre und Pächter später übernahm Peter Wolf das „Zambo“. Der Gastronom, der schon das „Nante“ in der Innenstadt etabliert hatte, kombinierte an der Werler Straße Rockmusik, Kneipenkultur und gutes Essen. Flipperautomaten und Billardtisch gehörten nun ebenso zum „Zambo“ wie der Biergarten, die Scheune (ab ´91) und der „Guest Check“, auf dem ein „X“ für das bestellte Bier gemacht wurde. Dieses durfte übrigens gern aus Detmold kommen und in der Bügelflasche serviert werden. Besonders am Montag, denn dann kostete die „Pulle“ nur 1,50 Mark! Der Laden brummte und wurde ´92 sogar um den Pizza-Bringdienst erweitert. „Teilweise waren acht Fahrer und acht Autos für das „Zambo“ unterwegs“, erinnert sich Peter Wolf. 1996 gab es einen ungewollten Schnitt und unruhige Zeiten in der „Zambo“-Geschichte.

Erst mit der Auferstehung als „Comedy“, zwei Jahre später, fand das Lokal wieder zurück in die Erfolgsspur. Die neuen Betreiber, die viel Erfahrung aus der Gastroszene mitbrachten, sorgten an der Werler Straße für kilometerlange Blechschlangen geparkter Autos. Leider währte auch der Erfolg nicht ewig und so musste Wolf, der mittlerweile Inhaber des Gebäudes war, 2005 selbst wieder als Betreiber ran.

Allerdings nur für einige Monate: Denn schon bald warb ein neuer Wirt um das „Comedy“, das nach der Übernahme nun „Event“ heißen sollte. Wo der Eventcharakter des „Event“ allerdings zu finden war, erschloss sich dem Gast nur selten und so war auch für dieses (Familien-) Unternehmen, nach immerhin vier Jahren, das Scheitern amtlich. Nicht mal die RTL2-Kochprofis konnten den Untergang verhindern.

Was danach kam, war meistens kurz: Ein Jahr lang „Pappels“ unter ehemaliger „Comedy“-Leitung, ein weiteres unter wechselnden Betreibern. Viele Ideen waren gut, viele aber auch überholt oder für das Haus an der Werler Straße einfach unpassend.

Als „schröter´s“ soll das Lokal nun wieder für das stehen, wofür es einst bekannt war: Für Gemütlichkeit, gutes Essen und Getränke. Irina und Dirk Schröter werfen dafür sogar ihren guten Namen in die Waagschale. Na, wenn das kein guter Anfang ist…

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