28.06.2017 // Sommerkonzert der NWD

Foto vom Sommerkonzert der Nordwestdeutschen Philharmonie

Sommerkonzert der Nordwestdeutschen Philharmonie in Bad Salzuflen // Foto: ta

Zugegeben – noch nie fand ein Konzert der Nordwestdeutschen Philharmonie den Weg in unsere Rubrik Nachgesalzt. Der Grund: Wir haben schlichtweg zu wenig Ahnung von klassischer Musik, um uns ein Urteil zu erlauben. Umso größer war der Reiz, das diesjährige Sommerkonzert der NWD zu besuchen, zu genießen und zu rezensieren. Oder es zumindest zu versuchen …

Die größte (und einzige) Enttäuschung gleich vorweg: Der Besuch des Konzertes. Bestenfalls ein Viertel der Plätze war belegt, als der Held und Dirigent des Abends, Yves Abel, mit festen und weiten Schritten die Bühne der Konzerthalle betrat, der Dame an der ersten Geige die Hand gab und dem Orchester mit Blick und Geste klarmachte „Leute, jetzt geht es los!”

Ganz oben auf dem Notenblatt: Mozarts Sinfonie Nr. 35 D-Dur KV 385. Was sich für den Laien erschreckend kompliziert liest, überraschte in der musikalischen Interpretation der Nordwestdeutschen Philharmonie mit eingängigen Melodien und durchaus mitpfeifbaren Themen. Der Reflex, wenigstens mitzusummen ist spürbar, doch die freiwillige Selbstkontrolle funktioniert glücklicherweise. Als das Stück nach rund fünf Minuten – und einem von Streichern erzeugten Wirbel – mit einer mächtigen Zielharmonie endet, setzt bereits der nächste Reflex ein: Klatschen.

Doch auch hier rettet die Selbstdisziplin vor einer großen Peinlichkeit. Denn jetzt ist lediglich der erste Satz der Sinfonie vorbei – und die Stille im Konzertsaal verrät, dass Applaus nach dieser Etappe unangebracht ist.
Nach wenigen Sekunden geht es bereits in den zweiten Satz: Andante. Wunderschön zerbrechliche, von den Violinen bestimmte Themen erfüllen den sonst so leeren Konzertsaal. Nicht weniger eingängig, aber doch viel zielstrebiger findet der dritte Teil (Menuetto) den Weg zum Zuhörer, bevor der letzte Satz (Presto) zum laut-leisen Finale ausholt. Applaus, endlich!

Auch die nächsten beiden Werke (von Antonín Dvořák und Felix Mendelssohn Bartholdy) haben es in sich – jedes auf seine Art. Sich gemeinsam mit dem Orchester durch die jeweils vier Sätze zu arbeiten, ist ein abwechslungsreiches Vergnügen, das unterschiedliche Stimmungen und grenzenlose Bewunderung für die Künstler auslöst. Der Besuch und der Versuch mit der NWD haben sich gelohnt. Mehr davon! ta

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