Stadtgeschichte(n): Ein Architekt und sein Werk

Haus in der Wenkenstraße, 1960er Jahre

Haus in der Wenkenstraße, 1960er Jahre // Foto: Stadtarchiv

Zum nunmehr fünften Mal verleiht der Heimat- und Verschönerungsverein von Bad Salzuflen am Vorabend des Tag des offenen Denkmals die Rudolf-Günther-Medaille für Verdienste im Bereich der Denkmalpflege und des Denkmalschutzes. Die Medaille ehrt den Preisträger, aber auch den Namensgeber, der in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts eine ganze Reihe von Bauten schuf, die niemand in unserer Stadt missen wollte.

Im väterlichen Zimmereibetrieb in Schötmar begann Rudolf Günther seine Berufsausbildung. Anschließend besuchte er die Baugewerkeschule in Höxter. 1909 ließ er sich – ohne Studienabschluss – als Architekt in Salzuflen nieder, da er in der aufstrebenden Badestadt reichlich Arbeit fand. Da ihm öffentliche Bauaufträge mangels Abschluss verwehrt blieben, war er umso aktiver, was die Planungen für private Bauherren anging.

Zu seinen bekanntesten Bauwerken dürfte das Haus Bender von 1912 zählen: Der lila gestrichene Jugendstilbau mit neo-barocken Elementen, in dem heute das Park-Café Wortmann residiert, ist ein Blickfang an der Ecke Parkstraße/Bleichstraße. Fast hätte Günther auch direkt gegenüber eine Grand-Hotel errichten dürfen. Doch beim Wettbewerb für einen Hotel-Neubau im Jahre 1925 belegte er nur den zweiten Platz. Die eigentliche Umsetzung des Projektes verlief dann bis zur Weltwirtschaftskrise im Sande. Es dauerte bis in die 1980er, bis die leere Rasenfläche an der Bleichstraße mit dem Kurgastzentrum bebaut wurde. Ein anderes markantes (und sehr bekanntes) Gebäude ist das heutige Cafe KleinerGrünauer, das Günther einst für den Schlachter Viktor Kutschera erbaute.

Später plante er neben Privathäusern auch Industriebauten. Das markante Backsteingebäude an der Einmündung Herforder Straße/Am Hellweg errichtete er als Werkstatt und Wohnhaus für seinen Freund Gustav Reitner. Gemeinsam schufen sie übrigens das Denkmal der Paulinenquelle (1933/34). Im Kriegsjahr 1941 beendet ein Krebsleiden Günthers Leben und Wirken in Bad Salzuflen.

Am Tag des offenen Denkmals, am 8. September 2019, gewährt der Heimat- und Verschönerungsverein Einblicke in das Privathaus von Rudolf Günther. Von 10 bis 17 Uhr ist das Haus Am Herforder Tor 9, das mit dem benachbarten Gebäude ein Doppelhaus bildet, geöffnet. Das 1921 geschaffene Gebäude zeigt – wie viele andere Häusern in der Park-, der Moltke- und der Roonstraße auch – die typische Formensprache von Rudolf Günther.

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