Szeneviertel: Hafermarkt

In der Oberen Mühlenstraße sind die alten Fachwerkhäuser - außer dem „Haus Backs“ (links) – mittlerweile abgebrochen und durch moderne Bauten ersetzt worden. Bild unten um 1900.

In der Oberen Mühlenstraße sind die alten Fachwerkhäuser - außer dem „Haus Backs“ (links) – mittlerweile abgebrochen und durch moderne Bauten ersetzt worden. Bild unten um 1900.

Wir beschließen unseren Stadtrundgang mit einem Ausflug in den – neben dem Salzhof – ältesten Teil der Stadt. Nämlich den, zwischen Hafermarkt und Katzenturm.

Hier befinden wir uns mitten in der „Sternberger Gründung“, die sich vom Hallenbrink bis zur Salze erstreckte. Dieser Teil der Stadt geht in seinen Grundzügen auf die Zeit vor 1300 zurück. Damals trafen in Salzuflen zwei wichtige Handelswege aufeinander: Der sogenannte Frankfurter Weg über Paderborn nach Minden und Bremen sowie der Weg von Osnabrück über Herford nach Braunschweig.

Die Ritterstraße mit dem alten Haus Gießenbier am Hafermarkt um 1900.

Die Ritterstraße mit dem alten Haus Gießenbier am Hafermarkt um 1900.

Der Hafermarkt war damals Marktplatz des kleinen Ortes – heute kaum vorstellbar. Doch ähnlich wie ein Marktplatz ist der Hafermarkt ein Treffpunkt geblieben. Zwischen dem Restaurant Toskana, Miloudis Bar, dem Tante Emma Bistro Cafe Klar Text, der Bauernstube und der Giraffe treffen Nachtschwärmer, Genießer und Fußballfans regelmäßig im Quartier am Hafermarkt aufeinander. Früher gab es auch den traditionellen Treff am Hafermarkt: Zum Salzsiederfest öffnete die längste Theke der Stadt vor dem damaligen Wappenkrug – überdacht von einem ausrangierter Lastenfallschirm der Bundeswehr.

Die Wenkenstraße hinauf kommend, finden wir rechts mit dem Fachgeschäft Klocke übrigens eine weitere Salzufler Institution: Die Legende besagt, dass es keine Schraube und kein Einzelteil für Haushaltswaren, Elektronik und Co. gibt, dass hier nicht zu bekommen ist.

Der selbe Blick 111 Jahre später.

Der selbe Blick 111 Jahre später.

Weiter links steht Bad Salzuflens erstes Rathaus, Wenkenstraße 10a, am Eingang zur Ritterstraße. In diesem Gebäude, das Pfarrer Antonius Gießenbier im Jahr 1520 erbaute, fanden vermutlich vor dem Bau des heutigen Historischen Rathauses die Sitzungen des Salzufer Rates statt. Beim Blick über den Hafermarkt fällt zunächst das Tante Emma ins Auge, dessen Einrichtung als Café der goldenen 1920er-Jahre beeindruckt. Seit der Übernahme durch „Mille“ Fabic hat das Tante Emma Bistro Café Klar Text eine umfangreiche „Entstaubung“ durchlebt.

Ein beeindruckendes und das wohl meist fotografierteste Fachwerkhaus steht unmittelbar gegenüber: Die Obere Mühlenstraße 1. In einer vorbildlichen Renovierung wurde das 1582 errichtete Haus von den Umbauten des 19. und 20. Jahrhunderts befreit und dem Stil der Weserrenaissance wieder sichtbar zuordbar gemacht. Heute gibt es auch drinnen einiges zu erleben, denn mit Miloudis Bar zog nach einigen Zwischenspielen als Büro und Restaurant eine lebendige Cocktail-Bar ein.

Damit beschließen wir unseren Rundgang durch die vielen unterschiedlichen Szeneviertel der Innenstadt von Bad Salzuflen. Ein Nachwandern und Selbsterleben der Stationen wird dringend empfohlen!

Wer mehr über die Geschichte und Geschichten von Bad Salzuflen wissen möchte, dem empfehlen wir die Stadtchronik, „Bad Salzuflen – Epochen der Stadtgeschichte“, herausgegeben von Franz Meyer, erschienen im Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld, ISBN 978-3-89534-606-4.

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