Aus Alt mach Arbeit: Interview mit Sylvia Gabler (RecyclingBörse!)

Foto Sylvia Gabler, Recyclingbörse

Sylvia Gabler ist Filialleiterin der einzigen RecyclingBörse! in Lippe und hat uns durch das vielseitige Angebot des außergewöhnlichen Kaufhauses geführt. // Foto: ta

Shopping-Tour an der B239. Dort, wo vor sehr langer Zeit der erste Marktkauf in Bad Salzuflen eröffnet wurde und vor langer Zeit alle möglichen Spielwaren verkauft wurden, werden heute gut erhaltene Second-Hand-Artikel angeboten. Sylvia Gabler ist Filialleiterin der einzigen RecyclingBörse! in Lippe. Sie hat uns durch das vielseitige Angebot eines Kaufhauses geführt, das in jeder Hinsicht außergewöhnlich ist.

Hallo Sylvia, seit wann gibt es die RecyclingBörse! in Bad Salzuflen?
Seit vier Jahren sind wir hier mit unserer Filiale zuhause. Den Trägerverein und die ersten RecyclingBörsen! gibt es aber schon seit 1984. Mittlerweile gibt es acht Filialen in sechs Städten.

Wie hat die Geschichte angefangen?
Das kann ich gar nicht genau sagen, weil ich auch erst seit vier Jahren dabei bin. Was ich aber sagen kann, ist, dass diese Idee vom Recyceln in einer Garage in Herford geboren wurde. Bei den Gründern unseres Vereins war viel Idealismus im Spiel, doch sehr schnell wurde das Projekt auf eine professionelle, solide Grundlage gestellt. Das erste Gebrauchtmöbellager und das erste Second-Hand-Kaufhaus wurden noch im Gründungsjahr eröffnet. Nach und nach kamen RecyclingBörsen! in weiteren Städten hinzu. Bald auch eine Fahrradwerkstatt. Zudem wurde die Sammlung von Elektro-Altgeräten organisiert und sogar ein Recycling-Kunstpreis kam dazu. Die Idee hatte sich verselbstständigt.

Wie definiert ein gemeinnütziges Kaufhaus den Begriff Erfolg, wenn es nicht gewinnorientiert wirtschaften darf?
Durch die RecyclingBörse! gewinnen viele Menschen. Sowohl diejenigen, die bei uns gute bis sehr gute Produkte für kleines Geld bekommen, als auch jene, die ihre ausgedienten Habseligkeiten einer weiteren sinnvollen Nutzung zuführen wollen. Insgesamt profitieren wir sogar alle. Denn das Recyceln und Weiterverwenden von Waren schont die Ressourcen und vermeidet Müll. Viel zu schnell werden Dinge einfach so weggeworfen, die anderen Menschen nutzen oder eine Freude machen können.

Auch Arbeitssuchende profitieren vom Verein, richtig?
Richtig. Ich selbst wurde vom Fleck weg engagiert, als das Outlet, das hier zuvor sein Glück versuchte, wieder geschlossen wurde. Heute bin ich Filialleiterin der Salzufler RecyclingBörse! und überglücklich mit meiner Tätigkeit. Vier weitere Kollegen und Kolleginnen sind hier beschäftigt. Drei von ihnen werden bei uns an den Arbeitsmarkt herangeführt, auf dem sie ohne Unterstützung kaum eine Chance hätten. Wir ermöglichen ihnen die soziale und berufliche Teilhabe. Hier können sie sich in ihrem Aufgabenbereich behaupten und sich weiterqualifizieren. Ihre Jobs werden vom Arbeitsamt über einen gewissen Zeitraum gefördert. Anschließend haben die Kolleginnen und Kollegen sehr gute Chancen, übernommen zu werden.

Und das nicht nur in Bad Salzuflen?
Stimmt. Mehr als 90 Menschen, von denen viele zuvor langzeitarbeitslos waren, sind zurzeit bei unserem Trägerverein Arbeitskreis Recycling e. V. beschäftigt.

Kommen wir zur Praxis: Wer kauft in der RecyclingBörse! ein?
Das sind ganz unterschiedliche Menschen. Von Alt bis Jung, von Arm bis Reich, aus nah und fern. Natürlich hilft unser Angebot vielen finanziell eingeschränkten Menschen, ihr knappes Budget zu schonen. Bei uns gibt es Shirts und Blusen für 1,90 Euro, Taschenbücher für 89 Cent und komplette PCs für 50 Euro. Aber die Schnäppchenpreise sind es nicht allein. Viele Stammkunden kommen auch zum Stöbern und Entdecken. Alles das, was wir verkaufen, wurde gespendet. Daher wissen wir auch selbst nie, was wir in den kommenden Tagen im Regal oder auf dem Kleiderständer haben werden. Da kann durchaus mal ein Designerteil für zehn Euro dabei sein – das weckt den Jagdinstinkt. Manche Kunden kommen sogar aus Paderborn, um bei uns zu stöbern.

Und wer spendet die Dinge?
Auch das ist ganz unterschiedlich. Einige Menschen wollen ihren Haushalt auflösen, mal kräftig entrümpeln oder einfach Platz im Kleiderschrank schaffen. Dabei kommen dann so manche Teile zum Vorschein, die bislang kaum oder sogar gar nicht benutzt wurden. Wenn die Sachen in Ordnung sind, nehmen wir sie gern an. Bei größeren Möbeln holt unser Fahrdienst die Gegenstände auch ab. Technische Geräte überprüfen wir selbstverständlich vor dem Weiterverkauf, manche bekommen zudem eine kleine Überholung. Obwohl wir keine Garantie geben können, gewährleisten wir die Funktionstüchtigkeit der Geräte. Dies gilt auch für die Zweiräder, die wir in der vereinseigenen Werkstatt wieder fit für den Straßenverkehr machen.

Lehnt ihr auch mal Sachspenden ab?
Natürlich. Allerdings zählt allein der Zustand, nicht der Geschmack. Kürzlich hatten wir eine Karottenjeans reinbekommen. Ich habe gedacht: Mein Gott, die kannst du nicht an den Ständer hängen! Zehn Minuten später stand ein überglückliches Mädchen damit an der Kasse: 7,99 Euro.

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