Buch-Tipp: Jenseits der Erwartungen

Buchtitel Jenseits der Erwartungen von Richard Russo

Jenseits der Erwartungen
Richard Russo
Gebundene Ausgabe
432 Seiten
22,00 €
DuMont Verlag

Es ist noch nicht allzu lange her, da glaubte man an das großartige Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Heute setzt reflexartig ein Gefühl der bleiernen Melancholie ein, wenn man sich den USA per Buch, Film oder TV-Serie nähert. Was hat sich nicht alles verändert!

Ein Meister in der Beschreibung der US-amerikanischen Befindlichkeit ist der Pulitzer-Preis-Träger Richard Russo (Diese gottverdammten Träume). In seinem neuesten Werk lässt er gut ein Jahr vor Beginn der Trumpschen Präsidentschaftsübernahme drei alte weiße Männer aufeinandertreffen, die sich rund vierzig Jahre lang nicht gesehen haben.

Die ursprüngliche Herkunft von Lincoln, Teddy und Mickey könnte unterschiedlicher nicht sein, doch einige gemeinsame Jahre am renommierten Minerva College hatten sie am Ende der bewegten 1960er-Jahre fest zusammengeschweißt. Allerdings nicht so fest, als dass es auch für die Zeit nach dem Studium und nach dem spurlosen Verschwinden der gemeinsamen Freundin Jacy gereicht hätte. Jeder ist schließlich seiner Wege gegangen und sie alle haben ihre eigenen Enttäuschungen erlebt. Mit zahlreichen Lebenslügen und zerplatzten Träumen im Gepäck treffen sich die alten Freunde auf der Insel Martha’s Vineyard nun wieder. Auf fast alle Fragen ihrer langen Biografien haben Lincoln, Mickey und Teddy eine Antwort. Doch eine Frage ist noch immer zu klären: Wo ist Jacy?

Wie in seinen anderen Werken auch, so nähert sich Richard Russo in diesem kurzweiligen und tiefsinnigen Roman ruhig und liebevoll seinen individuellen Charakteren. Er macht deutlich, wie ausschlaggebend selbst kleine Zufälle und Entscheidungen für jeden Lebens- und Geschichtslauf sind. Bestes Beispiel: Die US-amerikanische Präsidentschaftswahl und die politische Karriere von Donald Trump. Im Roman (spielt 2015) scheint ein Präsident Trump noch ein Ding der Unmöglichkeit zu sein – zwei Jahre später ist er traurige Realität.

ta

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