Buch-Tipp: Der Riss

Wie die Radikalisierung im Osten unser Zusammenleben zerstört

Buchcover Der Riss von Michael Kraske

Der Riss
Michael Kraske
Gebundene Ausgabe
352 Seiten
19,99 €
Ullstein Verlag

Wie tickt der Osten unseres Landes? Was läuft da schief in Sachen Miteinander und Toleranz? Um diese Fragen zu beantworten, benötigt man schon etwas Mut – und vielleicht auch etwas Überheblichkeit. Erst recht, wenn man aus dem Sauerland kommt.

Michael Kraske wohnt seit vielen Jahren in seiner Wahl-Heimat Leipzig, doch ursprünglich stammt der Autor und Journalist aus Iserlohn. Die Entwicklungen in Sachsen mit der gefühlt wachsenden Ausländerfeindlichkeit, dem zunehmenden Alltagsrassismus und der Gewaltbereitschaft machen Kraske zu schaffen. Und zwar so sehr, dass er sich auf Spurensuche begab.

Woran liegt es also, dass die AfD in den ostdeutschen Bundesländern auf solch eine große Zustimmung trifft? Woher kommt die Radikalisierung und der Riss, der Deutschland dreißig Jahre nach dem Mauerfall wieder zu spalten droht?

Michael Kraske ist sich sicher, dass der gesellschaftliche Wandel kein Phänomen der letzten paar Jahre ist. Die Saat wurde bereits kurz nach der Wende mit dem Ausverkauf des Ostens gelegt. Vielleicht sogar noch früher, nämlich zu DDR-Zeiten.

Was den Leser des Buches erfreut, ist neben der flotten Schreibe das solide Fundament an Daten, Stimmungen und Analysen, auf die sich Michael Kraskes Auseinandersetzung stützt. Was (vor allem dem ostdeutschen) Leser weniger gefallen dürfte, ist die stets mitschwingende Einseitigkeit der Betrachtungsweise. Häufig liest sich Der Riss dann doch wie eine Stellungnahme, wie sie nur ein Westdeutscher zur Situation im Osten abgeben kann. Eine gewisse Pauschalisierung und Engsichtigkeit wird sich der Autor durchaus vorwerfen lassen müssen. Aber dieses Risiko geht Michael Kraske bewusst ein.

Der Riss ist ein wertvolles Buch, weil es Diskussionsstoff liefert. Und davon nicht zu wenig.

ta

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