Drei Kameradinnen

Drei Kameradinnen
Shida Bazyar
Gebundene Ausgabe
352 Seiten
22,00 €
Kiepenheuer & Witsch

Schon der Titel dieses Buches ist so ungewöhnlich wie alles, was auf den 352 Seiten zu lesen ist. In Anlehnung an den Roman Drei Kameraden von Erich Maria Remarque lässt auch die Autorin Shida Bazyar in ihrem zweiten Werk vieles (und fast alles) bewusst im Ungewissen. Nicht ohne Wirkung, denn unweigerlich führt die Lektüre somit zur Interpretation und Selbstreflexion.

Hani, Saya und Kasih sind seit ihrer gemeinsamen Kindheit in der Wohnblocksiedlung beste Freundinnen. Jahrelang haben sie sich nicht mehr gesehen. Umso größer war die Freude auf ein paar gemeinsame Tage in der Großstadt. Doch etwas ist dabei schiefgegangen. Und Saya ist schließlich sogar „im Knast“ gelandet. Die drei Freundinnen müssen zusammenstehen.

Was sich in der Beschreibung so liest wie ein 5-Freunde-Buch von Enid Blyton, ist tatsächlich ein ziemlich aufwühlender Roman über Alltagsrassismus und Diskriminierung in Deutschland. Denn viel mehr als die Partys, die Besuche im Späti und die anschließenden schönen Stunden über den Dächern der nicht genannten Großstadt bestimmen nach wie vor die Demütigungen des Alltags das Leben der drei Freundinnen.

Allerdings geht auch heute noch jede von ihnen anders mit den täglichen Herabsetzungen und Ausgrenzungen um. Während Hani eine pragmatische Meisterin der Verdrängung ist, begegnet Kasih ihren Mitmenschen mit Resignation und Wut. Das bekommen auch die Leserinnen und Leser dieses Romans zu spüren, denen Kasih als Ich-Erzählerin mit wütenden Vorwürfen begegnet. Saya ist schließlich die radikalste der drei Kameradinnen. Sie setzte sich schon immer zur Wehr. Mit frisierten Geschichten und mutigem Handeln. Diesmal scheint sie allerdings eine Grenze überschritten zu haben.

Rainer Tautz

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