Portraitfoto von Franziska Hildebrand
Wir haben mit Franziska Hildebrand über das LEADER-Programm der EU gesprochen, mit dem in Bad Salzuflen die Ortsteile zukunftsfähiger gemacht werden könnten. // Foto: Artur Neumann

Franziska Hildebrand ist in der Stadtverwaltung für das Ehrenamt zuständig. Sie bündelt und unterstützt das ehrenamtliche Engagement, indem sie Projekte entwickelt und als Ansprechpartnerin für Initiativen und Vereine zur Verfügung steht. Die Teilnahme unserer Stadt am europaweiten LEADER-Programm liegt ihr am Herzen. Sie ist sich sicher, dass die Kombi Bad Salzuflen-Herford-Vlotho gute Chancen hat, sich als LEADER-Region zu qualifizieren.

Das LEADER-Programm gibt es schon seit 1991. Warum bewirbt sich Bad Salzuflen erst jetzt für die Qualifizierung zur LEADER-Region?
Warum das in der Vergangenheit nicht aufgegriffen wurde, weiß ich nicht. Ich bin ja auch erst seit April 2021 im Rathaus. Die aktuelle Bewerbung geht vor allem auf eine Initiative des Bürgermeisters zurück. Er kennt das Programm und hat während seiner Zeit als Erster Beigeordneter in Lemgo sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Denn gemeinsam mit Lage und Leopoldshöhe hat sich Lemgo schon vor langer Zeit als LEADER-Region qualifiziert.

Welche Vorteile bringt unserer Stadt diese Qualifizierung?
Sie bringt vor allem Geld und somit die Möglichkeit, dass wir gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern unsere Ortsteile weiterentwickeln. Denn mit den Fördermitteln können viele wichtige Projekte realisiert werden, für die sonst vielleicht kein ausreichendes Budget zur Verfügung stehen würde. Interessant ist auch, dass mit den Mitteln des LEADER-Programms ausschließlich Vorhaben im ländlichen Raum unterstützt werden. Vorausgesetzt, sie stärken die Lebensqualität oder unterstützen die Wirtschaftskraft vor Ort.

Nun also eine gemeinsame Bewerbung mit Vlotho und Herford. Wer ist auf wen zugegangen?
Auch Vlotho wollte sich in jedem Fall als LEADER-Region bewerben. Dort ist man ebenso Feuer und Flamme für dieses Programm wie wir in Bad Salzuflen. Da wir Nachbarn sind, bot sich die Kooperation förmlich an. Wir haben dann noch den passenden dritten Partner gesucht und ihn mit Herford auch gefunden.

Welche Gemeinsamkeiten haben Vlotho, Herford und Bad Salzuflen, die eine gemeinsame Bewerbung erfolgversprechend machen?
Es ist so, dass sowohl in Bad Salzuflen als auch in Herford und Vlotho vor allem viel in den Kernbereichen der jeweiligen Städte passiert. Alle drei Kommunen verfügen aber auch über entwicklungsfähige Ortsteile mit starken Vereinen. Mit einer gemeinsamen LEADER-Strategie können Maßnahmen entwickelt werden, die den dünner besiedelten Gebieten und auch den Vereinen zugute kommen. Daher haben wir unserer Region auch den Titel „Verein(t)“ gegeben.

Am 4. März läuft die Bewerbungsfrist ab. Muss bis dahin bereits das komplette Konzept mit allen Wunschprojekten stehen?
Nein. Gemeinsam mit einer Agentur erarbeiten wir zunächst eine regionale Entwicklungsstrategie. Dafür veranstalten wir zurzeit auch die Umfragen und die Workshops zur Bürgerbeteiligung. Aus der Strategie werden schließlich vier Handlungsfelder abgeleitet, die jede Bewerberregion individuell für sich festlegt. Dazu können beispielsweise die Mobilität, die Nahversorgung, die Kultur und der Klimaschutz zählen, aber natürlich auch andere Themen. Wenn die Handlungsfelder feststehen, werden die jeweiligen Ziele definiert, die wiederum zu der Frage führen: Mit welchen Maßnahmen können wir diese Ziele erreichen? Bis zum 4. März müssen wir unsere Strategie formulieren und unsere Handlungsfelder sowie unsere Ziele benennen. Dazu müssen wir ein bis zwei Maßnahmenbeispiele aufführen, mit denen wir unsere Ziele erreichen wollen.

Können die konkreten Maßnahmen bis zum Beginn des Förderzeitraumes auch noch verändert oder angepasst werden?
Selbstverständlich. Es können sogar während des siebenjährigen Förderzeitraumes noch Einzelprojekte beantragt werden. Wichtig ist erst einmal nur, dass wir bis zum 4. März eine erfolgversprechende Strategie mit definierten Handlungsfeldern, konkreten Zielen und einigen möglichen Ideen vorlegen. Daran wird unser Konzept gemessen und bewertet.

Wissen Sie, wie hoch die gesamte Fördersumme ist, die den Kommunen zur Verfügung stehen könnte?
Den übergemeindlichen Zusammenschlüssen unserer Größe, die sich als LEADER-Region qualifizieren, wird ein Fördertopf von 2,3 Millionen Euro in Aussicht gestellt. 

Gibt es einen Eigenanteil, der von den Kommunen selbst beigesteuert werden muss?
Ja, der Eigenanteil beträgt bei der Ausnutzung der kompletten Fördersumme insgesamt 300.000 Euro.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Herford, Vlotho und Bad Salzuflen als LEADER-Region angenommen werden?
Na ja, das hängt ja zum größten Teil von uns selbst und von unserer regionalen Entwicklungsstrategie ab. Insofern glaube ich, dass wir sehr gute Chancen haben werden. Aber natürlich befinden wir uns auch in einem Wettbewerb mit anderen Kommunen. Es ist wohl so, dass sich rund 45 übergemeindliche Kooperationen in diesem Jahr um die Fördergelder bemühen werden. Und obwohl die Landesregierung so viele Anträge wie möglich berücksichtigen möchte, ist der Gesamtfördertopf für die kommende LEADER-Periode irgendwann auch mal ausgeschöpft. Also werden auch nur die besten Strategien und Ideen den Zuschlag erhalten.

Können Sie gute Beispiele für erfolgreiche Förderprojekte nennen?
Es gibt so viele, dass es schwer ist, einzelne hervorzuheben. Ein gutes Beispiel aus der Nachbarschaft ist der Gesundheitskiosk, den die LEADER-Region 3L in Lippe eingerichtet hat, um die Menschen im Ortsteil Hörstmar über Themen der gesundheitlichen Versorgung zu informieren. Die Gesundheit ist aber nur ein Thema, das von LEADER-Regionen aufgegriffen werden kann. Wanderhütten für Heimatvereine, Pumptracks für Mountainbike-Fahrer oder Nachbarschaftshilfen werden ebenso durch Fördermittel unterstützt, sofern sie in die Strategie passen.

Was ist, wenn die Salzuflen-Herford-Vlotho-Bewerbung durchfällt?
Davon gehe ich nicht aus. Ich weiß, dass wir in Kooperation mit den beiden anderen Kommunen und allen Beteiligten ein sehr überzeugendes Konzept erarbeiten werden. Und selbst dann, wenn wir uns aus irgendwelchen Gründen nicht qualifizieren sollten, werden wir aus dem Bewerbungsprozess einen großen Nutzen ziehen können. Denn durch die zahlreichen Gespräche und neuen Kontakte haben wir jetzt schon viele wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung unserer Stadt erhalten. Außerdem fallen wir ja nicht durch!

Wie kann man sich als Bürgerin oder Bürger noch beteiligen?
Auf der Website der Stadt haben wir eine Umfrage verlinkt. Zudem findet am 25. Januar noch ein Online-Workshop statt. Infos unter www.stadt-bad-salzuflen.de/vereint-die-doerfer.

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