Das beste Mittel gegen Langeweile: Eine unpopuläre Meinung vertreten und verteidigen. Die Provokation ist perfekt, das Leben wird um einiges bunter und man spielt sich effektiv in den Fokus der Aufmerksamkeit. Was schreit schließlich mehr nach „Ich bin besonderer als ihr“, als Ananas auf die eigene Pizza zu streuen, während andere gerade das für ein kulinarisches No-Go halten? Es ist ganz einfach und völlig egal, ob man mit einem Facebook-Kommentar neben der Spur läuft oder im echten Leben aneckt. 

Also: Wer ist scharfkantig genug, um die Harry-Potter-Filme tatsächlich und öffentlich öde zu finden? Wer wagt es, den deutschen Schlager als banale Klatsch-Dressurnummer abzutun? Und wer traut sich sogar bei Bad Salzufler Themen aus der Deckung? 

Ein kleines Gedankenexperiment: Beim sommerlichen Grillabend verkündet der neue Freund der Tochter: „Ich finde, Knetterheide sollte auf gar keinen Fall ein eigenes Ortseingangsschild haben.“ Das Töchterchen könnte diese Aussage daraufhin mit einer noch unpopuläreren Meinung übertrumpfen: „Echt beeindruckend, wie viel der Masterplan Schötmar in den ersten vier Jahren schon bewirkt hat.“ Jetzt klinkt sich auch noch die Mutter ein: „Ich nenne die Gradierwerke aus Überzeugung Salinen!“ Gewinnen wird den Kampf der Standpunkte übrigens niemand. Ist aber auch egal …

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