Florian Gottschick Henry Cover

Henry
Florian Gottschick
320 Seiten
Gebundene Ausgabe
20,00 €
Penguin Verlag

Mit Henry gibt der Regisseur und Drehbuchautor Florian Gottschick sein schriftstellerisches Debüt. Dass der Frankfurter vorwiegend in Bildern denkt und häufig in Vorabendsendungen unterwegs ist, wird auf jeder Seite seines Romans deutlich.

Henry heißt eigentlich Henriette. Sie ist 12 Jahre alt, ziemlich klug und Opfer einer Entführung.
Allerdings ist die Entführung keine richtige Entführung und ein Opfer ist Henry schon gar nicht. Als der So-gut-wie-Arbeitslose Sven den BMW M5 der Mutter klaut, sitzt das Mädchen nämlich nur zufällig und schlafend auf der Rückbank. Und obwohl sich Henry gute Möglichkeiten bieten, die Sportlimousine und Sven zu verlassen, bleibt sie. Denn zu Hause läuft es nicht rund mit ihren Eltern, vor allem nicht mit Mutter Marion. Und außerdem entwickelt sie schon sehr bald sehr echte Sympathien für den unfreiwilligen Kidnapper. Während Henry also mit Sven und seiner Freundin Nadja auf Abenteuerjagd geht, versuchen die Eltern mit polizeilicher und psychologischer Hilfe herauszufinden, was mit Henry passiert ist. Auch schon vor der Entführung …

Der Roman Henry ist eine 306 Netto-Seiten lange Ansammlung von klebrig süßen Bildern und Momenten. Aber leider auch von vielen Klischees und Stereotypen. Die neugierige Nachbarin im immergleichen Hauskittel, der Kriminalhauptkommissar mit tief aufgeknöpftem Hemd und blonder Brustbehaarung, das tumbe Dorfvolk, das sich im Festzelt des Rummels „die Unvermeidlichkeit des Lebens“ schön säuft: Vieles im Roman ist ein bisschen drüber. Einiges sogar ein bisschen weit drüber.

Dennoch kann man Gefallen an der Geschichte finden. Als Vorlage für einen 20.15-Uhr-Film im ZDF taugt sie allemal.

Rainer Tautz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.